CANCOM: Was genau ist eine Service Factory?
Markus: Eine Service Factory ist eine zentrale Einheit, die den gesamten Lebenszyklus von IT-Arbeitsplätzen und Endgeräten abdeckt – von der Bestellung über die technische Einrichtung bis hin zur Auslieferung und Verwaltung. Die Geräte werden nach klar definierten Standards vorbereitet, mit Betriebssystemen und Software ausgestattet und exakt auf die Kundenanforderungen abgestimmt. So kommen sie vollständig einsatzbereit beim Kunden an. Wir steuern auch große Rollouts, etwa wenn viele Arbeitsplätze gleichzeitig ausgestattet werden müssen. Und selbst am Ende des Lebenszyklus endet unsere Verantwortung nicht: Wir organisieren die Rücknahme der Geräte, kümmern uns je nach Zustand um die Weitervermarktung oder eine fachgerechte Entsorgung und berücksichtigen dabei konsequent den Nachhaltigkeitsgedanken. So unterstützen wir unsere Kunden dabei, den maximalen Nutzen aus ihrer IT zu ziehen.
CANCOM: Welche Rolle spielt die Service Factory Nord im CANCOM Gesamtkonzept und was macht den neuen Standort in Norderstedt besonders?
Markus: Die Service Factory Nord ist ein zentraler Baustein in der Weiterentwicklung unseres Gesamtkonzepts. Wir erleben seit Jahren, dass der Bedarf an IT-Lifecycle-Services sowohl bei Bestandskunden als auch bei neuen Projekten kontinuierlich wächst. Mit dem Standort in Norderstedt schaffen wir gezielt zusätzliche Kapazitäten und stellen uns regional deutlich breiter auf. Gleichzeitig ist das ein logischer nächster Schritt im Zusammenspiel mit unserer etablierten Service Factory in Jettingen-Scheppach. Viele unserer Projekte sind keine Standardlogistik, sondern individuelle Sonderverbringungen. Diese ausschließlich aus dem Süden abzuwickeln, wäre logistisch und wirtschaftlich unattraktiv. Mit Norderstedt sind wir näher am Kunden und deutlich effizienter. Besonders am neuen Standort ist dabei, dass es kein gewachsener Altstandort ist, sondern komplett neu und hochmodern aufgebaut wird. Wir profitieren hier stark von der langjährigen Erfahrung unserer Service Factory in Jettingen Scheppach. Das dort aufgebaute Know-how sowie die erprobten Prozesse und Konzepte fließen direkt in den neuen Standort ein. Auch baulich setzen wir klare Akzente: Der Neubau erfüllt aktuelle Standards in Energieeffizienz, Sicherheit und Brandschutz und wird künftig durch eine Photovoltaikanlage zusätzlich nachhaltiger betrieben.
CANCOM: Um zu verstehen, wie diese Services in der Praxis funktionieren, schauen wir auf die Abläufe im Alltag. Wie durchläuft ein Produkt konkret die Service Factory und wer arbeitet daran?
Markus: Alles beginnt mit einem konkreten Kundenauftrag, zum Beispiel für 30 individuell konfigurierte Notebooks, die zu einem bestimmten Zeitpunkt bei einem Kunden sein sollen. Der Auftrag kommt vom Vertrieb zu uns in die Service Factory. Anschließend werden die Geräte über den Einkauf bestellt und nach der Anlieferung bei uns eingelagert. Parallel wird im System ein Fertigungsauftrag angelegt, der den gesamten Ablauf steuert – von der Logistik über die technische Vorbereitung bis hin zur Auslieferung. Ein Logistikmitarbeiter erhält einen digitalen Kommissionierauftrag, entnimmt die Geräte aus dem Lager und bringt sie an die Stream-Bahn. Dort übernimmt ein technischer Mitarbeiter die Veredelung. Die Geräte werden ausgepackt, inventarisiert, konfiguriert und automatisiert mit Betriebssystemen und Software bespielt sowie an das Kundennetzwerk angebunden. Die Installation erfolgt anschließend automatisiert über definierte Standards. Anschließend wird jedes Gerät geprüft, gereinigt und so verpackt, wie man es von einem Neugerät erwartet, je nach Auftrag einzeln oder gebündelt zum Beispiel mit Monitoren und Eingabegeräten. Zum Abschluss bringen unsere Servicetechniker die Geräte zum Kunden und richten sie vor Ort ein. Idealerweise muss der Nutzer nur noch sein Passwort eingeben, und der Arbeitsplatz ist sofort nutzbar.
CANCOM: Die Abläufe wirken sehr individuell. Wie organisiert ihr die verschiedenen Kundenprojekte?
Markus: Wir arbeiten mit sehr unterschiedlichen Kunden und Projekten. Ein Schema F, bei dem wir jeden Tag dieselben 30 Geräte durchschleusen, gibt es bei uns nicht. Genau deshalb braucht es eine strukturierte Planung. Diese übernimmt unser Projektmanagement-Office, das die Aufträge bündelt und vorbereitet. Innerhalb der Service Factory arbeiten viele Mitarbeitende kundenbezogen. Technische Spezialisten betreuen feste Kunden oder Kundengruppen, kennen deren Anforderungen, Ansprechpartner und Projektumfelder und bauen so eine hohe operative Expertise auf. Die Herausforderung liegt in der Dynamik: Projekte ändern sich, Prioritäten verschieben sich und Aufträge laufen parallel. Das erfordert Flexibilität und Belastbarkeit. Gleichzeitig ist die Arbeit stark eigenverantwortlich organisiert. Während Prozesse automatisiert laufen, arbeiten die Teams bereits an anderen Projekten – immer in enger Abstimmung mit Teamleitung und Projektmanagement. Am Ende geht es um eine saubere Produktionsplanung: Was ist realistisch an einem Tag oder in einer Woche leistbar? Wie verteilen wir die Arbeit sinnvoll, um den geplanten Durchsatz zu erreichen? Diese Balance aus Struktur, Eigenorganisation und Teamabstimmung ist ein zentraler Erfolgsfaktor unserer Service Factory.
CANCOM: Es sind bis zu 100 neue Arbeitsplätze geplant. Welche Rollen stehen dabei im Fokus?
Markus: Den größten Anteil machen Servicetechniker aus, die unsere Schwestergesellschaft CANCOM ICT verantworten. Sie liefern Geräte aus, installieren sie vor Ort und unterstützen bei Störungen. Das Einsatzgebiet ist dabei sehr breit und reicht von Hamburg und Bremen über Schleswig-Holstein und Niedersachsen bis nach Mecklenburg-Vorpommern. Um unseren Kunden hier eine persönliche Betreuung und einen verlässlichen Service zu bieten, planen wir in diesem Bereich mit rund 60 bis 70 neuen Kolleginnen und Kollegen. Der zweite zentrale Bereich sind die operativen Rollen innerhalb der Service Factory selbst, zum Beispiel Logistiker und Betanker. Sie nehmen die Geräte an, prüfen sie und bereiten sie nach Kundenvorgaben technisch vor. Diese Tätigkeiten verbinden logistische Abläufe mit technischem Verständnis. Insgesamt sprechen wir hier von rund 20 Positionen. Ergänzt wird der Aufbau durch Führungs- und Koordinationsrollen – also Management und Teamleitungen –, die den Standort begleiten und den reibungslosen Betrieb sicherstellen.
CANCOM: Welche Voraussetzungen sollte man für einen Job in der Service Factory mitbringen? Für welche Rollen eignen sich Nachwuchskräfte, Quereinsteiger oder erfahrene Fachkräfte besonders?
Markus: Es gibt bei uns nicht das eine perfekte Profil. Wir arbeiten mit sehr unterschiedlichen Rollen und bieten verschiedene Einstiegsmöglichkeiten. Entscheidend ist für uns weniger der Lebenslauf als vielmehr Motivation, Lernbereitschaft und die Offenheit, sich auf unterschiedliche Aufgaben und Projekte einzulassen. Für alle Rollen ist ein echtes Interesse an IT, neuen Technologien und dem Thema Client Lifecycle wichtig, kombiniert mit der Bereitschaft, auch logistische Tätigkeiten zu übernehmen.
Je nach Rolle braucht es unterschiedliche Erfahrungslevel. Operative Tätigkeiten an den Produktionslinien eignen sich sehr gut für Berufseinsteiger. In der klassischen Logistik setzen wir auf erfahrene Fachkräfte, etwa für den sicheren Umgang mit Flurförderzeugen, Arbeiten in größeren Höhen und die Abstimmung mit Speditionen, insbesondere wenn Abläufe vom Plan abweichen. Für Management- und Teamleitungsfunktionen suchen wir gezielt erfahrene Fach- und Führungskräfte. Diese Rollen sind zentrale Schnittstellen zum Kunden, zum Projektmanagement, zum Vertrieb und zu den operativen Teams. Gefragt sind hier Übersicht, Entscheidungsstärke und die Fähigkeit, auch in anspruchsvollen Situationen, Prioritäten zu setzen.
CANCOM: Wie unterstützt CANCOM neue Mitarbeitende beim Einstieg am neuen Standort?
Markus: Gerade beim Aufbau eines neuen Standorts ist ein strukturiertes Onboarding entscheidend. Management- und Teamleitungen holen wir zunächst in unsere Service Factory nach Jettingen-Scheppach. Dort lernen sie den Betrieb von Grund auf kennen – bewusst auch operativ. Sie arbeiten in der Logistik mit, prüfen Ware und erleben die Abläufe aus erster Hand. Parallel binden wir sie eng in unsere Managementstrukturen ein, damit sie unsere Führungskultur, Werte und Arbeitsweise kennenlernen. Mit diesem Wissen gehen sie anschließend nach Norderstedt und bauen dort den neuen Standort auf, weiterhin eng angebunden an das Team in Jettingen-Scheppach.
Für neue Mitarbeitende außerhalb des Managements ist der Einstieg ähnlich praxisnah, aber stärker auf die jeweilige Rolle zugeschnitten. Neue Kolleginnen und Kollegen werden frühzeitig geschult und wachsen Schritt für Schritt in ihre Aufgaben hinein. Gerade weil viele Rollen bei uns erlernbar sind, ist es wichtig, ausreichend Zeit für Einarbeitung, Fragen und Sicherheit in den Abläufen zu geben. Ziel ist, dass sich alle von Anfang an als Teil des Teams fühlen.
CANCOM: Wie arbeiten Norderstedt und Jettingen-Scheppach künftig zusammen?
Markus: Die Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd ist für uns ein zentraler Erfolgsfaktor. Jettingen-Scheppach bleibt unser zentraler Kernstandort mit Management und Projektsteuerung. Die operative Umsetzung findet dann in Norderstedt statt. Gleichzeitig fördern wir den persönlichen Austausch zwischen den Standorten, um Wissen, Kultur und neue Impulse in beide Richtungen weiterzugeben. So lernen sie andere Kunden, Projekte und Perspektiven kennen. In die eine Richtung tragen wir bewährte Prozesse, Kultur und Erfahrung nach Norderstedt. In die andere Richtung profitieren wir von frischen Blickwinkeln. Neue Kolleginnen und Kollegen hinterfragen Abläufe, bringen Ideen ein und tragen so aktiv zur Weiterentwicklung unserer Prozesse bei.
CANCOM: Was schätzen Mitarbeitende an der Arbeit in der Service Factory besonders und wem würdest du einen Job in der Service Factory Nord empfehlen?
Markus: Viele unserer Mitarbeitenden schätzen, dass sie bei uns wirklich am Puls der Zeit arbeiten und einen ganz konkreten Beitrag zur Digitalisierung leisten. In den vergangenen Jahren haben wir z.B. hunderttausende Geräte für Schülerinnen und Schüler personalisiert ausgerollt. Zu wissen, dass man damit bessere digitale Lernbedingungen ermöglicht, gibt vielen einen spürbaren Sinn in ihrer täglichen Arbeit. Ein weiterer großer Pluspunkt ist unsere Art der Zusammenarbeit. Wir leben eine offene, flache Führungskultur mit klarer Du Kultur. Der Umgang ist unkompliziert und wertschätzend, und wir geben den Teams bewusst Freiräume.
Einen Job in der Service Factory Nord würde ich besonders Menschen aus der Logistik empfehlen, die sich fachlich weiterentwickeln und näher an die IT heranrücken möchten. Die Kombination aus Logistik und Technik ist abwechslungsreich und bietet spannende Perspektiven. Für viele ist das fachlich wie persönlich ein sehr attraktiver nächster Schritt.
CANCOM: Vielen Dank für die aufschlussreichen Einblicke in die Service Factory Nord, ihre Bedeutung für unsere Kunden und die Chancen für neue Mitarbeitende.
Die aktuellen Stellenausschreibung gibt es hier.